Rote Rosen




Mein Tagebucheintrag vom 14.Juni:

Liebes Tagebuch!
Es ist schon spät und ich liege im Bett. Heute war mein Tag mal wieder relativ.
In der Schule war’s so lala.., wir haben eine Arbeit geschrieben, die mir wirklich
gar nicht gefiel und die ich glaub ich ziemlich im Sand setze. Nun ja.., es ärgert mich
gerade tierisch, aber du weißt ja.., dass Mathe eben nie so meine Stärke war.
Meine Eltern werden nicht begeistert sein, wenn sie diese so sehen werden.
Mal schauen, notfalls fälsche ich die Unterschrift. Wobei ja.., dass ist mal wieder so
ein Gerede von mir. Hab ich schließlich noch nie gemacht, hast recht. Mal schauen,
erst mal abwarten was es gibt.
Dann nach der Schule hab ich Lena angerufen. Von wegen beste Freundin. Ihr
Getue regt mich so auf. Weißt du, sie meint auch, sie wäre die beste und schönste und tollste. Dass ist seit dem Schulwechsel so heftig geworden. Aber wenn ich mit ihr reden will, blockt sie auch immer ab. Ich kenn sie doch schon so lang und ihr Verhalten tut mir weh. Ich denke, ich werde am Wochenende mal versuchen, mit ihr zu reden. Ich hab nämlich echt keinen Bock, dass unsere Freundschaft daran kaputt geht. Ich verstehe auch nicht, wie anderen so etwas so egal sein kann, betiteln jede neue Bekanntschaft als beste Freundin oder besten Freund. Ich finde, dass geht nicht. Und sollte es doch gehen, dann kann ichs eben dennoch nicht. Bin da halt anders. Aber dass weißt du ja..., schließlich kennst du mich.
Hab letztens mal meine alten Tagebücher beguckt und angefangen, mal etwas in meiner Vergangenheit zu lesen. War irgendwie witzig, wie ich da so einige Sachen geschrieben hab. Außerdem war ich da noch kein Stück ehrlich und habe nur oberflächlichen Kram geschrieben...und manche Sachen waren so verdammt albern.
Und ja.., ich musst echt lachen
So, ich merke, ich schweife vom Thema ab. Obwohl, nen bestimmtes Thema pflege ich hier nie.., denn ich weiche immerzu ab.
Ach genau.., der Thomas aus der meiner Parallelklasse hat mir auch noch eine sms
geschrieben. Ich weiß gar nicht, woher er meine Nummer hat. Er wollte mal morgen in der Pause mit mir reden. Weiß noch nicht, ob ich das mach. Wirklich bock hab ich nicht, sein arrogantes Getue aufn Flur reicht mir immer schon. Auch die anderen motzen immer rum. Und zumal, was will der von mir, hab doch eigentlich gar nichts mit dem zutun. Ach Moment, ich weiß, ist sicher wegen seinem ‚Kollegen’ wie Mann immer so schön zu sagen pflegt. ... der will doch so weit ich weiß etwas von meiner Freundin. Na ja, nu bin ich doch gespannt, doch, doch, ich werde mir sein tolles Gerede morgen einmal anhören. Schreib ihm gleich doch noch zurück.
Zu dumm, warum bin ich nicht schon eher darauf gekommen.
Oh nein, mist...wir haben doch noch Hausaufgaben auf, einen Aufsatz schreiben.
Verdammt, so alt bin ich doch noch gar nicht.., warum vergesse ich dann immer alles??? Mal überlege, wie mache ich dass denn dann jetzt mal??? Heute noch oder morgen früh??? Hm, ist blöd, oder??? Jetzt bin ich zu müde.., fällt mir schon dieses schreiben hier zu schwer und morgen früh aufstehen .., hab ich auch keine Lust darauf. Ich glaub, ich lass es dann einfach mal.
Okay.., mir fällt jetzt grad auch nichts mehr wichtiges ein.
Ich schlafe nun!!! Gute Nacht!!!
Nina



Mein Tagebucheintrag vom 15.Juni

Na du, es ist glaub ich so 2:14Uhr.. ich habe eben so einen scheiß geträumt und jetzt liege ich wach und kann nicht mehr einschlafen. Der Träum war schlimmer als jeder bisher gesehene Horrorfilm. Dabei weiß ich gar nicht mehr genau, um was es ging.
Es war aber soviel dunkles dabei und.. ich weiß nicht was. Mein Herz schlägt mir immer noch bis zum Hals. Bä ätzend!!! :-/
So nun gut... ich werde jetzt dennoch ein bisschen versuchen zu dösen., wenigstens dass sollte klappen. Nina



40Min. später:
Ich glaube, ich gebe es auf. Da helfen auch keine Schlaftabletten, keine Milch mit Honig, keine extreme Dunkelheit. Ist einfach Tatsache.., dass ich nicht mehr einschlafen kann. Bin wohl zu wach. Zwar komisch, aber nun ja.
Draußen ist es so ruhig, so verdammt ruhig.., okay.., es ist noch früh morgens..,
aber es ist ... komisch.
Ich gehe trotzdem mal raus. Die langweile treibt mich hinaus. Im Bett rum zu liegen ist doch sinnlos. Also bis dann..., für heute beende ich das schreiben und gehe nun ein wenig die Nacht genießen!!! Bye, bye ... Nina




Ich suche mir einen kleinen Rucksack, eine Decke, eine Taschenlampe und bestreite den Weg in die extreme Dunkelheit. Bin ich froh, dass ich so leicht aus dem Haus kam. Nun stehe ich hier und überlege – wohin. Ich denke, ich gehe zu unserem See runter. Mit der Taschenlampe bewaffnet geht es los. Ich laufe durch unseren Wald.., eine Straße und einen Feldweg entlang. Nach diesem tollen Traum kann mich heute gar nichts mehr schocken. Okay.., manchmal ruft ein Käuzchen bei dessen Rufe ich immer erst zusammenschrecke.., weil sie so plötzlich die Stille durchdringen, aber dass ist auch schon alles.
Als wir an eine Fläche komme, dessen Sicht frei ist und dessen Bäume so klein sind,
dass sie meiner Meinung nach als Sträucher durchkommen – fällt mir erst der prall gefüllte Mond auf. Er scheint so hell, dass ich meine Taschenlampe bedenkenlos ausschalten kann und mir vom Mond den Weg weisen lasse.
Fast wäre ich in eine falsche kleine Lichtung eingebogen, da mir der Weg doch nicht mehr so bekannt war, wie ich dachte. Es ist schon einige Zeit her, dass ich das letzte Mal an diesem See saß. Und jetzt ist alles so hoch, so verdammt - und wunderschön grün geworden. Ich mag es und bleibe beim Anblick auf See dem so stehen. Wie er da liegt, so ruhig und unscheinbar. So verträumt und fast schon ein wenig schüchtern. Meine Theorie vermag vielleicht etwas albern klingen, aber so kommt er mir heute tatsächlich vor. Heut scheint mal wieder einer der Tage, an denen ich mir einfach Gedanken über jedes Blatt mache, was ich finde. Manche meinen, in solchen Momenten geht meine Phantasie und meine Gedanken mit mir durch. Ich muss da immer lachen und verbessere sie und sage, für jeden verständlich – dass es einfach meine Art ist und ich eben gerne rumspinne.
Jetzt gerade würde ich in meiner Art es natürlich ganz anders beschreiben. Doch eben nicht für alle nachvollziehbar. Also.. ich glaube, ich würde es jetzt so sagen,
dass ich meine Phantasie meine Träume in Worte beschreit.
Natürlich könnte ich so viele andere Variationen für diese Beschreibung suchen und finden, aber ich lass es jetzt mal einfach so stehen. Ich denk mir immer nur so ganz still und leise.., dass rumspinnen ein Begriff für dumme ist. Warum?! Nun ja, ich glaube nicht, dass es jemals einen Menschen gibt, der nicht nachdenkt und mal vor sich hinträumt. Nur jeder hat eben seine eigene Art. Und wer eben meint, dass es rumspinnen ist, dann hat dieser jemand wohl noch nicht seine Art des Träumens gefunden. Schade – es ist doch so schön und macht so Spaß. 

Während ich so darüber nachdenke hab ich endlich einen Platz gefunden, der mir gefällt.., ich lasse mich nieder, rolle mich in meine Decke und kram meinen Rucksack durch und hole alles heraus., was ich finden kann.
Einen Block, Stifte, mein Handy, meine Taschenlampe, meine Handcreme, ein Buch, ein Feuerzeug, Kekse und Teelichter. Interessant, was man in so einer Tasche alles findet  !! Vieles lag schon ewig dort drin. Das Buch war gar nichts meines, sondern dass von meiner Mama. Mal schauen, wie es heißt. Ich nehme meine Taschenlampe
zu Hilfe.., da das Licht des Mondes nicht ganz ausreicht um die etwas verschnörkelte Schrift zu entziffern. „Glück kennt keine Jahreszeiten“ lese ich daraus. Das Bild zeigt einen Baum auf einer grünen Wiese. Das Buch scheint schon recht alt zu sein, ich lächle und lege es zurück in meinen Rucksack.

Nehme meinen Block und meinen Stift und mag gerne etwas schreiben...., bloß weiß ich nicht recht was. Ich mag es so sehr zu dichten, aber ich habe es schon so lange nicht mehr. Soll ich mich heute einmal wieder ran wagen?! Ich weiß, ich werde deprimiert sein, sollte nur Müll dabei rauskommen, aber andersrum geht es ja auch wieder nicht darum mich zu zwingen etwas hinzubekommen.., denn dann geht’s erst recht nicht. Mal schauen, was ich heute noch so auf die Reihe bekomme.
Welche Überschrift nehme ich denn am besten einmal? Wieder sitze ich da und sehe nachdenklich auf die See hinaus. Der Mond fällt steil und spiegelt sich auf dem Wasser. Die See liegt ruhig vor mir, der Himmel ist Sternenklar und der Mond hat eine so wunderbar perfekte Form und scheint aus seiner ganzen Kraft.
Ich hab’s – Mondschein – einfach nur ‚Mondschein’
Ein wenig unbequem liege ich auf der Decke und im feuchten Gras und suche den Anfang. Den Anfang des Gedichtes.



"Mondschein

Still sitze ich hier,
in jener Nacht
und sehe den Engel
der über mich wacht.

Das pieksen der Sträucher
hab ich vernommen
und sehe den Schleier von Nebel
der über den See gesponnen.

Die Sanftheit die diese Stimmung
vergibt
ist dass was man an Nächten so
liebt.

Es ist die Tatsache
dass ich bin hier allein,
intensiv vernommen
wird nicht zuletzt
des Mondes Schein!"



Ein paar Mal lese ich die Zeilen meines Blattes durch und schaue leicht unzufrieden dem Mond entgegen. „Dass klingt so stumpf und so abgehackt und irgendwie komisch, nicht wahr?!“ Flüsterte ich in die Dunkelheit hinaus.
Ich versuche es ein erneutes Mal..., nur welche Überschrift soll ich nehmen.
Meine Tasche liegt einige Meter von mit entfernt im Gras. Ich ziehe sie zu mir hin und suche mein Portmonee. Komisch, ich war sicher, es sei mit darin.
Nach einigem suchen fand ich es in einer Innentasche. Ich hatte dort allenmöglichen Kram drin. Auch eine Menge Bilder und so. Irgendwann hielt ich ein vertrocknetes Rosenblatt in der Hand. Ich drehte und wendete ich und überlege warum es dort drin sei. Vielleicht mal so rein geraten. Ich schmiss es in dem See und dachte erst nicht weiter darüber nach. Ich überlegte weiter, als mich plötzlich etwas anderes überkam.
„Scheiße!“, schrie ich in die vollkommende Stille des See hinaus. Es hallte sogar ein wenig nach. Ich wusste wieder, warum ich dieses Rosenblatt in meinem Portmonee hatte und nun war es weg. Ich schaute auf das Wasser, aber es war verschwunden.
Zu spät fiel mir ein, dass ich es damals von meiner Freundin bekam. Als Glücksbringer in der Liebe, sagte sie. Oh nein und ich hatte sie achtlos weggeschmissen. Fast hätte ich das weinen angefangen, auch wenn ich nicht genau weiß, warum das. Mir war auf einmal so danach, weil ich es einfach völlig vergessen hatte und, und, und...!! Schlechtes Gewissen halt!!!
Da kam mir aber eine andere Idee, ich schenkte diesen Rosenblatt eine Bedeutung..., eine Vollkommende und ganze Bedeutung als Rose – ein Gedicht.



"Rote Rose

Deine Schönheit mag wohl
bekommen
deine Pracht sei
unbenommen.

Gedeihe und wachse
strahle und schein
lasse deine Schönheit
alle Herzen gedeihen.

Wirke auf andere,
wie ein Sonnenschein
lasse die Farbe ROT
in alle Köpfe hinein.

Liebe und Wärme,
Freude und Glück
Lass sie nicht vergessen
Sonst hol sie zurück.

Denn wichtig sind sie,
diese Dinge,
schenke ihnen ihre Bedeutung
und jedem Glück, dass alles ihm gelinge."

---


Geschmissen habe ich einen Teil von dir
In dem See der wunderbaren Weite,
ein schlechtes Gewissen und Traurigkeit
begleiten meine Gedanken.

Es tut mir leid, dass ich diese Achtung
deinerseits und den Sinn deinerseits vergaß,
ich hoffe, du mögest mir verzeihen.

Rot und kräftig mögest du auf Ewig blühen
und den Menschen ein Zeichen für Liebe, Glück, Wärme und Freundschaft sein.
Danke,
du wunderbare rote Rose.

Nina


Ich habe einer Blume eine solche Bedeutung gegeben. Irgendwie auch dumm,
dachte ich mir, aber nun ja.., ich denke es müsste eine Entschuldigung genug sein.
Ich suchte mir eine herumliegende Flasche, steckte den Zettel dort rein, klebte den Deckel zu und schmiss sie in die Weite des immer noch dunklen Sees.
Ich sah ihr lange nach und dachte einfach für einen Moment lang nichts.
Mir war kalt geworden und ich legte mich ein wenig auf den Rücken und sah in den Sternenhimmel. Die Decke zog ich bis zu meinen Schultern und schlief irgendwann dann doch ein. Morgens, oder es waren gerade mal 3 Std. später weckten mich die zaghaften Strahlen der aufgehenden Sonne. Ich richtete mich verschlafen auf. Ich hatte mich schon auf Nackenschmerzen eingestellt, dass sie aber so weh tun würden, hatte ich dann doch nicht gedacht. Ich strich meine Haare aus den Gesicht und setze mich hin. Mein Magen knurrte, meine Schulter schmerze und ich war ein wenig durchgeweicht und trotzdem konnte ich nicht sagen, dass es mir schlecht gehen würde. Im Gegenteil!!! In jener Nacht ist mir mal wieder so viel bewusst geworden. Ich sah dem Sonnenaufgang gebannt zu. Ich fragte mich, wo die Sonne bleibt, wenn die denn unter geht. Es heißt ja, bei uns geht sie unter und woanders auf. Aber dann müsste rein theoretisch doch noch etwas unter uns sein. Wenn sie unter geht aber was mag da unter uns sein.., doch nur Erde, Steine und Wasser. Wann enden diese Bestanteile und wann fängt der Himmel an!!! Ach nein, dass geht nicht. Es heißt ja, die Erde dreht sie. Stimmt!!! Oh man, echt zuviel heute für mein so frühes Denken . Aber trotzdem irgendwie faszinierend, was und wie es auch immer genau geht.
Mein Blick schweift vom Sonnenaufgang ab und wandert über den See, hin zu meiner Flasche. Sie wiegt sich leicht in der Morgenbrise auf dem See hin und her.
Ich lächel. Dann stehe ich auf, packe meine Sachen in meinen Rucksack und mache mich auf dem Weg zurück. Ich fühle mich schrecklich und glücklich zugleich .
Zuhause angekommen schleich ich in mein Zimmer, suche einige Sachen raus und gehe mich erst mal duschen. Die alten Sachen kommen in die Wäsche. Nach dem Duschen hab ich mich fast wie ‚neu geboren’ gefühlt. Herrlich!!!
Außer die Nackenschmerzen, die blieben wohl noch eine Weile.
Nachdem ich für die Schule die Sachen fertig hatte, kramte ich einen alten Karton heraus und fand dort noch eine alte Geschichte von mir drin. Ich strich das alte Datum durch und nahm es einfach als meinen Aufsatz. Dass ist mir unten am See heute noch eingefallen. Ich frühstückte schnell und rannte zum Bus, den ich beinahe nicht mehr bekam.
Die Stunden in der Schule vergingen langsam. In der Pause dann ging ich zu der Bank, an dem Thomas und ich uns verabredet hatten.
Natürlich ging es um das Thema, dass ich mir schon dachte. Einerseits war ich heute morgen echt verdammt gut und glücklich drauf, aber andersrum auch müde und direkt. Und da mich Thomas cooles Gequatsche ganz schön nervte, sagte ich ihm auch platt vor dem Kopf, dass er sein scheiß Gerede lassen soll, entweder vernünftig oder gar nicht. Und siehe da, er konnte sogar vernünftig reden, ich wollte es nicht laut sagen, aber ich habe bei ihm da schon echt die Hoffnung aufgegeben und war doch recht positiv überrascht von ihm und seinen Wandel für den Moment.
Ich hörte mir also seine Vision an und sagte ihm, dass ich sehen werde, was sich machen lässt. Er gab mir die Handynummer von seinem Kumpel und dass war’s dann auch schon. Mein Aufsatz war gut, hatte die Lehrerin gesagt. Ja, dass freute auch mich. Die Handynummer gab ich meiner Freundin aus der Klasse und wenn mich nicht alles täuscht, sind sie seit 5 Tagen glücklich zusammen. Ich habe mit Lena, meiner besten Freundin geredet und ihr klar gemacht, dass es so einfach nicht weitergehen kann. Ihr schien es auch schon aufgefallen zu sein und wir wollen jetzt eine Basis finden und unsere Freundschaft wieder so aufbauen, wie sie mal war.
Und ich bin da recht zuversichtlich, dass es klappen wird.

6 Wochen später, nachdem ich an jenem Abend an dem See war, ging ich eines späten Abends noch einmal dorthin. Ich hatte Sehnsucht nach ihm und nach meinen Gedanken, die ich in dem ganzen Stress der in der Schule und Zuhause noch so anstand, gar nicht ordnen konnte.
Ich ging wieder zu der alten Stelle. Heute war es eine sehr angenehm und warme Nacht. Am See lag zu meinem erstaunen immer noch meine Flasche.
Ich suchte mir einen Stock und zog sie an Land. Wollte mein Gedicht noch einmal lesen und öffnete vorsichtig den Verschluss. Ich erschreckte mich ein wenig als ich dort eine andere Nachricht fand, als die meine.
Außerdem lag dort eine kleine schon ein wenig verwelkte Rose drin.
Gespannt hockte ich mich ins Gras und leuchtete mit der Taschenlampe auf die Zeilen, die besagten:


Liebe Nina,
als ich deine Zeilen las, dachte ich mir, welcher Mensch schreibt so etwas nur einer Rose wegen. Nach näherem überlegen und eingehen deiner Zeilen, saß ich eines Nacht auch hier am Rand des Sees. Es war keine ganz so ruhige Nacht. Vielleicht erinnert du dich an dem Sturm, den es vor ein paar Wochen hier gab. Ich habe mich an jenem Abend bewusst entschieden hier diese Stelle zu besuchen. Es war sehr windig und die See war rau und lag nicht mehr so still wie an anderen Tagen vor mir. Aber so mag ich sie.., genau so. Soll ich dir einmal sagen warum?! Erst nach einigen Tagen, als ich deine Zeilen las, fiel mir ein, dass ich einst genau das Gleiche tat, wie du. Nur tat ich es absichtlich. An genau dieser Stelle.
Ich schmiss den Ring von meiner Ex Freundin hier hinein. Weißt du, ich habe sie noch irgendwo geliebt, aber andererseits hat sie mich sehr, sehr verletzt ... und ich wollte mit all dem abschließen, die Fotos hatte ich verbrannt, die Sachen ihr wieder gegeben, nur der Ring ist mir geblieben. Ich hatte zu dem Zeitpunkt ein neues Mädchen kennen gelernt und durch diesen Ring, auch wenn er rein gar nichts symbolisierte, fühlte ich mich dennoch von ihr noch besessen. Kein gutes Gefühl!! Wie du dir sicher vorstellen kannst, habe ich den Ring an genau dieser Stelle in die dunkele, aufbrausende See geschmissen, die sie kurze Hand verschlang.
Niemand sollte ihn sonst bekommen und ich weiß, dass dort ein guter und wahrer Platz ist,
eine Sache zu beenden und mit etwas abzuschließen und gleichzeitig mit etwas anderem anzufangen. Soviel zu mir!!! Deine Rose schwamm wohl nun auch so einfach davon. Aber es braucht dir doch nicht leid zu tun. War sicher richtig so. Ich lege dir als Einstieg eines Neuanfangs einfach mal eine kleine Rose dabei. Auf dass sie dir Liebe, Glück und Wärme geben/bringen wird. Dass wünsche ich dir – Nina!!!
Liebe Grüße....eine Rote Rose “



Wumps, da saß ich nun, ein leicht wenig platt über dass, was er da geschrieben hat.
Außerdem... wer war er (?). Ein wenig unsicher sah ich mich um. Ist er hier und beobachtet mich?! Aber nein, dass glaube ich nicht, denn laut seiner Zeilen war er ja später hier. Ich nahm die Rose vorsichtig in die Hand und betrachtete sie respektvoll.
Ein wenig roch sie noch. Ich glaub aber auch gar nicht.., dass es die Rose selbst war, die mich so nachdenklich machte, sondern jene Nacht, die hat mich und mein Denken ganz verändert. Das erste Mal seit langem war ich so sehr sentimental und in Gedanken versunken, dass ich alles mit anderen Augen sah. Meine Einstellung war verändert, meine Wahrnehmung, mein Empfinden – dabei habe ich doch nichts mehr gemacht, als nachgedacht und ein bisschen das genossen, was man sehen und bestaunen konnte. Nichts großartig besonderes.., aber dennoch etwas mit einer so großen Wirkung.
Meine Veränderung ist den anderen auch aufgefallen. Sie fragten mich wie das kam,
ich murmelte nur etwas von „Roten Rosen“ und natürlich verstanden alle nur Bahnhof. Ja, vielleicht war’s für andere wieder eine Antwort die nicht zu definieren war. Verständlich!!! Aber dennoch hat es nichts mit Spinnerei zu tun.
Ich weiß nur, wieviel wert es ist, manchmal einfach ein bisschen nachzudenken, zu beobachten und einfach zu bestaunen, auch wenn es fast vor der Haustür zu finden ist. Manchmal sind gerade solche Sachen soviel wertvoller.
Ich lächel jedes Mal, wenn mich jemand fragt wie meine Veränderung zu Stande gekommen ist, ich dann antworte und die komischen Gesichter der anderen sehe.
Ich denke mir da nichts negatives bei, da niemand den genauen Hintergrund kennt.
Nun und manchmal eben, wünsche ich mir für manch eine Person auch, dass sie einst das Wunder des Träumens, Nachdenkens, sehen und staunen, erfahren wird.



Mein Tagebucheintrag vom 26. August:

*Rote Rosen* können Leben verändern !!!
NINA



Ende!!!




Geschrieben am: 31.1.2004
Von Sandra




Was du suchst
ist nicht auf den Gipfeln der Berge,
nicht in den Tiefen der Meere,
nicht in den Strassen der Städte:

Es ist in deinem Herzen.



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