Auf einer Wolke ins Reich meiner Träume 10.2004




Eines verregneten Morgens stand ich am Fenster meines Zimmers und sah nach draußen.
Es war grau und trist und meine Laune war gespalten vom Dunst des Wetters.
Ich war müde und legte mich ein wenig auf mein Bett um mich auszuruhen.

Dann schlief ich ein.


In meinem Traum fand ich mich wieder.
Ich saß auf einer samtweichen, weißen Wolke. Ich saß einfach nur da und sah mich verwundert um. Plötzlich tauchte neben mir ein Engel auf und fragte mich,
wohin ich des Weges sei?
Ich erklärte ihm, dass ich es nicht wüsste. Ich hätte mich plötzlich auf dieser Wolke wiedergefunden und ich hätte keine Ahnung, wohin sie mich bringen wird.

Der Engel lächelte und sagte dann, dass die Wolke mich nur dorthin bringen würde, wo ich auch hin wolle. Ich sah ihn an. „Ich weiß nicht!“, sagte ich und zuckte mich den Schultern.
„Dass hieße also, du willst die ganze Zeit nur durch die Gegend fliegen, ohne zu wissen wohin!“ Ich schaute ihn an. „Okay, ich helfe dir, aber nachher musst auch du etwas wissen, wohin du willst!“ „Gut“, sagte ich zögernd und willigte ein.

Der Engel verschwand.

Ich saß noch eine Weile auf dieser Wolke, es war ein wohltuendes Gefühl. Ich sah die Welt von oben, sah ihr zu, aber war nicht Teil von ihr. Ich fühlte mich geborgen und frei, auf ihr - meiner Wolke.

Plötzlich löste sich ihr dichter Schleier auf und mir kam es vor, als würden wir uns der Erde nähern. Und so war es auch. Vorsichtig ließ sie mich behutsam und sanft auf dem Boden nieder. Wo war ich?! Erschrocken blickte ich mich um. In der Wüste! Nur ich! Ich allein, kein Wasser und keine Menschenseele. Bloß jede Menge Sand.
Das machte mir Angst.
Dann tauchte dieser Engel wieder auf! „Wohin des Weges?“, fragte er diesmal.
Doch seine Stimme klang anders, als die von dem anderen Engel.
Böse sah ich ihn an. „Na, dass wüsste ich auch gern!“
Dann wurde meine Stimme leicht und leise. „Ich möchte heim!“, bat ich schluchzend.
„Heim?“, fragte der Engel mich und sah mich liebenswürdig an.
„Ja heim, nach Hause!“ Noch immer sah mich der Engel fragend an.
„Verdammt, was willst du von mir!?“, sagte ich nun schon leicht verzweifelt.
„Ich möchte deine Worte und deine Angst, die du gerade hast verstehen!“
Ich sah ihn an und ließ mich dann erschöpft zu Boden sinken.
Dort saß ich und sagte lange Zeit nichts. Ich fühlte mich so hilflos und verlassen,
hier würde ich doch nie wieder lebend rauskommen.

„Wenn du dir von mir etwas wünschen würdest, was wäre es?“
Ich sah in sein freundlich, lächelndes Gesicht. „Dass du mich heim bringst!“ Er lächelte, „dass ist viel zu viel und ein viel zu großer Wunsch!“
„Dann würde ich gerne genügend zu trinken, etwas zu essen, ein Pferd oder ein Esel, ein Zelt, Musik und ach genau, etwas zu lesen bräuchte ich auch noch...!“
Der Engel sah mich nur lächelnd an. Ich verstummte. „Was bräuchtest du jetzt??? Was ist für dich lebenswichtig!“ „Wasser!!!!“, rief ich und war erstaunt, dass ich einen großen Kanister und daneben eine kleine Wasserflasche fand. Gierig stürzte ich mich auf den Kanister.
Doch zu meinem erstaunen war er kaum voll..., behutsam füllte ich das Wasser in die Flasche und trug sie schützend in meiner Hand.

Als ich mich suchend zu dem Engel umsah, musste ich feststellen, dass er verschwunden war.

Ich stand vorsichtig auf und ging eine Weile durch den Sand. Meine Fußspuren wurden von dem feinen Sand verschlungen und lösten sich sofort in Luft auf.
Wie komme ich bloß jemals hier weg.

Nach etlichen Metern, oder gar schon Kilometern setzte ich mich in den Sand. Es war so heiß,
so verdammt heiß. Auch hatte ich überhaupt kein Zeitgefühl mehr, sodass ich nahe dran war aufzugeben.

Plötzlich sah ich mitten in der Wüste ein Kamel stehen. Einsam und verlassen stand es dort und sah mich an. Ich ging zu ihm. „Bitte, gebe mir etwas zu trinken, nur einen kleinen Schluck. Ich bin am verdursten. Ich brauche es, um neue Kräfte zu sammeln. Sonst geh zu hier zugrunde. Ich bitte dich!!!“
Ich sah meine Flasche mit Wasser an, die ich schützend in meiner Hand hielt.
„Tut mir leid“, sagte ich, „aber ich brauche selbst etwas zu trinken.“
Ich sah, wie das Kamel vor mir zu Boden sank. Sein Körper war geschwächt und seine Augen sahen leer in die meine. „Also gut“, sagte ich schließlich, „trink, damit wenigstens einer von uns hier überlebt!“
Die Augen des Kamels begannen zu leuchten. Gierig würgte er den letzten Schluck Wasser hinunter, stand auf und bat mich auf seinen Rücken. Vorsichtig und unsicher stieg ich auf.

Er brachte mich einem mir nicht unbekannten Platz. Dort wartete meine weiße und samtweiche Wolke auf mich. Ich war so glücklich umarmte erst das Kamel und sprang das überglücklich auf meine Wolke, die mir soviel Glück gab.

Wir flogen fort.

Oben sah ich den Engel wieder! Er sah mich freundlich lachend an. „Und, was hast du diesmal gelernt?“
„Wie?“, fragte ich ihn. „Na überleg, was ich doch nun meinen könnt!“
„Ich habe gelernt, dass es eine Dummheit war, dir zu vertrauen. Ich wäre beinahe umgekommen!“
Der Engel lachte und wurde dann wieder ernst, sagte aber mit einer freundlichen Stimme:
„Soso, du wärst umgekommen und aus welchen Grund bist du es nicht?“
„Weil das Kamel mich zu jener Wolke brachte!“, sagte ich und sah ihn launisch an.
„Ja, aber aus welchem Grund nur, konnte es wieder laufen?“
Ich schwieg!
Und schwieg!
Und schwieg! ....
„Nun ja, weil ich ihm mein zu trinken gab!“
„Das war sehr mutig und rücksichtsvoll von dir, denn du hast jemanden geholfen, den du eigentlich gar nicht kanntest.“
„Nein, einfacher gesagt, ich habe mich aufgegeben!“, sagte ich und schwieg dann wieder.
Auch der Engel schwieg und sah mich die ganze Zeit über nachdenklich an.
„....Und gerade als du dich aufgeben wolltest, kam deine Rettung. Aber diese Rettung wurde
zur deiner Rettung, weil du, als du dich aufgeben wolltest, wenigstens einen von euch retten wolltest.
Durch eure gegenseitige Hilfe, habt ihr euch beiden das Leben gerettet.
Ihr habt zusammen gehalten, eine tolle Leistung.


Magst du weiter erleben und mehr sehen???
Ich zuckte mit den Schultern und schaute der Wolke liebevoll über ihren weißen Mantel.... hinab in die Tiefe.
„Sieh mal“, schrie ich wie gebannt und zeigte auf das Meer.
Und als ich noch das Wort „Deeeeeeelphine!“ schrie,
landete ich auch schon mit einen leichten Platscher im Wasser.
Mitten durch die weiße Decke fiel ich in das dunkle Meer.
Als ich japsend an die Wasseroberfläche gelang und nach Luft rang,
schrie ich wieder in die Stille hinein: „Sag mal spinnst du, was soll das denn jetzt schon wieder!?“ „Hey, sachte, sachte!“.... wieder tauchte ein Engel neben mir auf.
„Ach hallo, so was, du auch hier?!“
„Kennen wir uns?“, fragte er erstaunt. „Du, ich hab keine Ahnung, ihr seht ja alle gleich aus!“
Der Engel lachte... und sah mich an. Seine Augen waren anders, als die des anderen Engels...
Sie waren wärmer und sanfter. „Hilf mir!“, sagte ich flehend und klappte mit den Zähnen.
„Wünsche dir etwas, wünsche dir zwei Dinge!“, er sah mich lächelnd an.
Ich brauchte nicht lange überlegen. „Ich wünsche mir ein Segelboot und eine Decke“.
Kaum ausgesprochen, stand es auch schon vor mir uns schaukelte leicht im Takt der Wellen.
Ich kletterte hinauf, setze mich erschöpft auf den Rand, hing mir die Decke um und sah fragend in das Gesicht des Engels.
„Bist du das erste Mal dem Meer so nah?“, fragte er mich.
„Ja, irgendwie schon, ich war noch nie so verlassen wie jetzt. Ich war schon oft in ihm schwimmen, aber nun bin ich allein... und was soll ich tun....?“
„Diese Frage kann und möchte ich dir nicht beantworten, finde es selbst heraus!“
„Bin ich hier um wieder etwas zu lernen? Ich mein, was soll ich hier schon lernen?“
„Hör mal“, begann der Engel wieder und sah tief in meine Augen, „du kannst natürlich auch gleich wieder aufgeben und nichts lernen, oder steh auf und sieh sie dir an - diese Welt.
Du sagst es so, als wäre es dir egal, du lernst hier nicht nur so dahin zu leben, falls du das meinst, du kannst hier noch soviel mehr lernen und sehen. Öffne deine Augen, öffne sie und nehme mit ihnen auf, was du siehst. Lasse es hinein in dein Herz und lerne .... lerne aus all
den Dingen, die du tust und erlebst. .... Bis bald!“
Ohne, dass ich noch etwas hätte sagen könne, war er verschwunden.
„Äh?“ .. sagte ich und sah in die Weite....
Na gut..., dachte ich..., dann mal sehen.., was es hier so gibt.., das Segelboot hatte sogar eine kleine Kajüte worin ich auch das Steuer fand....
Ich machte mich erst einmal mit den Dingen bekannt und sah sie mir genau an um sie zu verstehen, denn eine Anleitung gab es schließlich nicht...
Ich war allein. Keine Möwe, keine Delphine, keine Wale... - niemand kam zu mir um mich zu begrüßen....
Ich kam mir total verlassen vor....
So segelte ich also dahin. Ich hatte Brot und Wasser da...., schlief die Nacht auf einem etwas sehr harten Bett. Mir wurde bei dem Geschaukel ganz übel.
Ich zog mir die Decke über den Kopf und wollte nur noch fort.
Der nächste Morgen brach an ...!!! Ich kletterte etwas verschlafen aus meinem Bett und ging nach draußen..., dichter Neben lag über dem Meer. Der Wellengang war ganz sanft und es war kalt. Wie spät mochte es wohl sein? Hell war es jedenfalls noch nicht.
Ob ich mal rufen sollte? Vielleicht hörte mich ja jemand und rettet mich!“
Ich sah in den dichten Neben und schrie mit lauter, kräftiger Stimmte „Haaaaallllloooo!!!!“
Ich war über meine so laute Stimme selbst erschrocken und zuckte zusammen...
Noch lange hallte sie in der Ferne, ehe sie irgendwann in den Nebenschwaden verschwand...!
Nichts! Stille!...
Traurig ging ich wieder hinein, es war zu kalt...
Ich setze mich an den kleinen Tisch auf die harte Bank..., kaute lustlos auf einem Brotstück herum und sah nachdenklich durch die kleinen Fenster nach draußen.....
Auf der Bank bemerkte ich einen Block und einen Stift....
Zaghaft nahm ich ihn, drehte und wendete ihn hin und her und machte ihn schließlich vorsichtig auf und legte ihn auf den Tisch vor mir...
Ich nahm den Stift in die Hand und sah auf die leere Seite, die so vor mir lag....

„Ich fühl mich so allein!“, schrieb ich .... und fing plötzlich an zu weinen.
Ich musste fürchterlich weinen. Ich schmiss den Stift in die Ecke und rannte wieder hinaus...
„Waaaaarummm????“ schrie ich in die Ferne. Wieder hallte meine Stimme lange nach und verschwand recht bald... Eine Möwe kreiste über meinem Kopf...
Sehnsuchtsvoll sah ich ihr zu, wie sie ihre Kreise immer und immer größer zog und plötzlich verschwand. Wie gerne wäre ich doch diese Möwe.., die kann sich bewegen wohin sie wollte....
Ich zitterte...
und schon bald ging ich wieder rein, hob den Stift auf und legte ihn behutsam auf dem Block.
Inzwischen waren meine Tränen getrocknet... Sie starrte auf meinem Satz.
Er löste tiefe Traurigkeit in mir aus.
Ich lief hin und her, wusste nicht wohin, was ich tun sollte .. ich wusste nichts...
Traurig war ich, nur, nur traurig.
Ich war so allein, niemand bei mir..., es war ein schreckliches Gefühl.
Einen Moment lang dachte ich sogar daran, in die kalte See zu springen und zu ertrinken..,
würde doch eigentlich eh keiner merken.
Doch so schnell wie dieser Gedanke aufkam, verschwand er auch gleich wieder.
Wieder ging ich nach draußen.., setze mich in einer Decke gehüllt auf den Rand des Bootes, spürte das leichte und sanfte Schaukeln und sah durch den jetzt nur noch leichten Dunst einige Sonnenstrahlen blitzen.
"Guten Morgen!" .., sagte eine freundliche Stimme. Ich erschrak und fuhr herum.., aber ich konnte niemanden sehen. Außer eine Möwe.., die dort saß, ganz still fast neben mir auf dem Bootsrand... Ich bekam Herzklopfen, denn ich war mir doch sicher, etwas gehört zu haben.
"Hallo!" ... sagte wieder eine Stimme. Mein Blick stockte schließlich bei jener Möwe.
"Ja genau, ich hab mit dir geredet!"
"So ein quatsch", fauchte ich..."Tiere können nicht reden!" ...
"Aber du hörst mich doch!", sagte die Möwe und sah mich mit schiefen Kopf an.
"Na dann werd ich halt schon verrückt!"
"Nein, du bist nicht verrückt und du wirst nicht verrückt, aber du hast durchaus doch ein Stück weit recht - denn du machst dich gerade verrückt! Siehe mal, es ist nun mal jetzt diese Situation da, du kannst eben nicht vor allem und jedem davon laufen, es ist okay und sieh einfach mal, was du für dich positives aus dieser jetzigen Situation machen kannst!"
"Oh man", ich schüttelte den Kopf, "jetzt red ich sogar schon mit einer Möwe, ich muss echt verrückt sein!"
"Wer sagt das?"
"Na ich sage das und die anderen würden es auch sagen, wenn sie es sehen würden!"
"Welche anderen?", fragte die Möwe schon wieder und gab es einfach nicht auf!
"Na, meine Freunde, Eltern und halt alle die, die mich kennen!"
"Hm.., aber du findest es doch gerade nicht wirklich verrückt, sonst würdest du ja nicht mit mir reden. Aber natürlich ist der Gedanke erschreckend.., wenn man bedenkt, was die anderen jetzt denken würden und über dich sprechen würden, stimmts?!"
"Ja, dass stimmt!", gab ich flüsternd zu.
"Machst du das immer?"
"Was mache ich immer?"
"Na ja", sagte die Möwe und hüpfte auf den Boden des Bootes, "so zu leben, dass die anderen gut von dir denken? Es jedem recht machen wollen!"
"Natürlich lebe ich so.., na es tut doch irgendwo auch mir gut!"
"Klar, dir tut die Bestätigung der anderen gut, aber das was du tust, tust du doch meistens nicht für dich!"
"Na doch, schon, wieso nicht?!"
"Nun, hört sich für mich so an!"
"Hm...", ich schwieg.
"Und was würden die anderen in der jetzigen Situation sagen und tun?"
"Ich weiß nicht, also würden sie mich sehen, würden sie mich für bescheuert halten und verrückt mit einem Tier zu reden, und schwach, weil ich hier sitze und weine und für blöd, weil ich nicht weiß, was ich machen soll.. und und und...!", sagte ich mit Tränen in den Augen.
"Was denkst du denn gerade über dich?", fragte die Möwe und sah mich aufmerksam und ruhig an.
"Ich hasse mich, ich komm mir hilflos, allein und wahnsinnig blöd und verrückt vor!"
"Verrückt, weil du mit einem Tier redest?"
Ich seufzte ... "Ja, auch.. irgendwie!"...
"Hm..., aber so zitierst du das, was du vorhin sagtest, wie die anderen über dich denken würden!"
"Na, aber ist es nicht so???"
"Aber nein, sicherlich ist es nicht so. Stelle dir einmal vor, es gäbe niemanden anders. Nur du wärst hier. Und nun übertrage es auf deine jetzige Situation!"

"Na ja.., ein schönes Gefühl .. irgendwie..., ein freies. Im Prinzip hast du sogar recht, ich bin allein hier und kann gerade tun, was ich will. Die anderen sind vielleicht irgendwo - aber nicht hier. Hier bin nur ich und wie es mir geht.., entscheide nur ich! Wie recht du doch hast!", ich lächelte sogar ein wenig und sah mit funkelnden und glücklichen Augen in den schönsten Sonnenaufgang, den ich je gesehen habe. Ich fühlte mich plötzlich unheimlich frei!
Ich sah mich um und wollte noch etwas zu der Möwe sagen, doch jene war verschwunden...
Traurig sah ich in den Himmel und sah, wie sie in den Sonnenaufgang hinein flog.
Es war ein seltsames Gefühl, was mich überkam... ich war irgendwo traurig und doch furchtbar glücklich.
Noch lange saß ich draußen und dachte sehr viel nach, weinte, lachte, sang und jubelte... und manchmal schwieg ich auch einfach wieder.
Lange Zeit später ging ich rein, setze mich an den Tisch, nahm Zettel und Stift und fing an, meine geschriebenen Zeilen, fortzuführen.

Ich hatte gerade ein Gespräch, jetzt geht’s mir ein wenig besser.
Ich sprach mit einer Möwe, ja, ob du's glaubst oder nicht, ich sprach mit ihr und sie war sehr lieb und freundlich. Ich weiß, dass klingt verrückt, dass dachte ich auch zuerst, aber nun find ich den Gedanken in Ordnung, denn ich weiß, jenes Gespräch hat sehr viel gebracht und mir zudem auch noch gut getan. Ist mir gleich, was du oder die anderen nun denken, mir geht’s gut...
Na ja.. gut, ich bin allein, ich fühl mich auch immer noch allein, aber es ist für gerade irgendwie in Ordnung... Es ist schön allein zu sein, so kann man mal ein klein wenig seine Gedanken ordnen und sehr viel nachdenken.
Ich werde jetzt mal mein Netz auswerfen, was ich hier fand, es war ein wenig kaputt, aber ich klebe es zusammen und werde nun einmal schauen, wie tauglich es wirklich ist.

Ich legte den Stift bei Seite und lief nach draußen und warf mein Netz über Bohrt....,
ging wieder rein und wartete und wartete.... Ich nahm ein Buch aus dem Regal; es war ein wenig verstaubt und schien schon ein wenig älter zu sein. Mit meinen Fingern malte ich eine Möwe... in die Schicht des Staubes. Das Buch hieß "Warum Engel fliegen können!".... ich begann zu lesen und zu lesen, es war wundervoll. Irgendwann ging ich wieder nach draußen und zog mein Netz hinauf.., drei dicke Fische befanden sich in ihm, immerhin ein Anfang, dachte ich lächelnd und so gab es an jenem Abend "Fisch". Es war noch nicht dunkel, aber es dämmerte schon, so saß ich wieder auf den Rand des Bootes und wollte jenen Sonnenuntergang genießen. Ich sah ins Wasser und sah einige Delphine unter meinem Boot her schwimmen. Das Meer schien in seiner ganzen Vielfalt zu leben. Es war wunderschön, auch wenn ich von dort oben sicher nur einen ganz klitze, kleinen Teil von dem allen zu sehen bekam, lebte es in ihm mehr denn je... und ich sah das alles zum aller, ersten Mal... - es war traumhaft. So ging die Sonne langsam unter und ich genoss jenen wunderbaren Moment, ehe ich eingehüllt in meine Decke unter Deck schlich um dort die Zeilen des heutigen Tages zu vollenden.

Heute sah ich den wundervollsten Sonnenuntergang aller Zeiten, wobei der Sonnenaufgang auch nicht schlecht war. Ja, heute wurde mir richtig viel klar.
Ich glaube, schrieb ich lachend,
das einzigste, was mir zu meinem glücklich sein gerade noch fehlt, wird ein weiches bequemes Bett sein. Ansonsten geht’s mir persönlich gerade so gut wie nie zuvor.., aber schon lange nicht mehr, schon sehr lange nicht mehr, habe ich so intensiv fühlen können und dürfen, wie gerade. Oder durfte/konnte ich dass überhaupt jemals mal???

Ich legte den Zettel nachdenklich bei Seite und ging wieder raus und setze mich auf den Rand des Bootes, der Wellengang war ein wenig kräftiger, als der des Tages zuvor, aber das störte mich gar nicht, ganz im Gegenteil. Ich genoss es...., ich sah in den Himmel und sah im selben Moment, wo meine Augen den Himmel erblickten, eine ganz unendlich schöne und lange Sternschnuppe. Sekunden später kam eine Möwe und setze sich mir gegenüber auf den Bootsrand und sah mich an, sah mich lange an. Es war so still, in der Ferne hörte ich das Prusten der Wale und die Wellen, die sanft gegen das Boot platschten nahmen meine Ohren auf. Aber dennoch wagte ich in jenem Moment nicht eines meiner Wort zu sagen.
Sie sah mich lange an. Mein Blick waren glaube ich Worte die eine Sehnsucht, eine Traurigkeit und eine unendliche Freude umschrieben. Ich weiß nicht wirklich, was dieser winzige Augenblick wieder in mir auslöste, aber etwas war da, dass spürte ich.
Und gerade als ich jenes Gefühl so intensiv wahr nahm, flog sie davon, sie - die Möwe.
Einfach so!
Adios - kleine, schöne Möwe.


Ich schloss meine Augen und im nächsten Moment fand ich mich auf einer Wolke wieder. Sie hob vorsichtig ab und ich sah nur noch von weiten das Boot, wessen mir gezeigt hatte, die Welt mit den Augen zu betrachten und bestimmte Augenblicke ganz tief in sich aufzunehmen und sie immer in sich zu wahren.
Ein Engel setze sich wieder neben mich.
Ich schwieg noch immer. Aber auch er blieb stumm neben mir und betrachtete das Boot von oben.
"Hm, hättest du es mir damals gezeigt, hätte ich gesagt, ich könnte da keine 2 Std. überleben, auf so einem hässlichen alten und langweiligen Segelschiff. Jetzt innerhalb eines Tages wurde es zu etwas so besonderem von mir, ich sehe es als etwas wunderschönes. Dieses Boot, der Inhalt... - alles an und in ihm ist wunderschön. Es ist seltsam - was für zwei Ansichten eine Sache doch haben kann!", sagte ich und sah den Engel der dicht neben mir saß nachdenklich an. Er sagte immer noch nichts.
Der Himmel über uns war dunkel..., lauter große Planeten um uns herum - Sterne.
"Was denkst du über das Leben?", fragte er mich schließlich.
"Na ja, hier ist es anders, es ist immerhin nur ein Traum....!"..., er unterbrach mich.
"Was heißt 'nur' ein Traum - sagst du denn nicht zu manchen realen Dingen, dass sie traumhaft schön sind...und doch sind sie real???"
"Ja, aber ist doch trotzdem was anderes?!"
"Wenn du es so findest; ich sehe das anders. Aber nun gut, du hast meine Frage noch nicht beantwortet!"
"Das stimmt, aber ich weiß nicht wirklich, was ich dazu sagen soll und was du wirklich hören möchtest."
"Ich möchte das hören, was du denkst!"
"Was denk ich vom Leben??? Gute Frage!!! Hm..., es ist nicht leicht, es ist schwer - aber das auch nicht immer. Man lernt nie aus! Aber es gibt auch so viel trauriges auf der Welt, aber auch viel schönes und lustiges! Es ist eben das Leben - genau beschreiben kann man es nicht - es ist ES!", ich seufzte und sah ihn fragend an.
"Aber hast du es nicht gerade zum Schluss alles als wunderbar empfunden?? Diese beiden Situationen?"
"Sicherlich habe ich das, aber das war ein Traum, lieber Engel, ein Traum!!!", sagte ich leicht wütend. "Und was bin ich, dem du genau das gerade erzählst?"
Ich schwieg. "Hm.., ja du bist eben nen Engel!"
"Ein Traum oder was?"
Ich dachte an das Buch, was ich auf dem Boot las und zuckte mit den Schultern ...
"Weißt du, jede dieser Situationen die du gerade hattest, hattest du in deinem realen Leben aber auch schon... und sogar schon sehr oft. Doch weißt du wie du immer reagiert hast??? Entweder warst du zu egoistisch oder hast komplett aufgegeben und hast nur auf die anderen gehört und dich dabei vollkommen vergessen!"
Diesmal sagte ich lange nichts. "Mag sein, ja, aber es ist nun mal nicht leicht", seufzte ich.
"Hm.., wohin fliegen wir eigentlich???", gespannt sah ich nach unten, konnte aber nicht wirklich viel sehen. "Die Nacht kannst du hier bleiben und hier schlafen - ruh dich aus!"
Ich schloss die Augen und schlief tatsächlich einmal nichts denkend ein!!!
Ich schlief frei ein - frei von Gedanken.
Einfach schlafen!!!
Gute Nacht!!!


(Fortsetzung folgt - 24.10.2004 - )


Der nächste Morgen begann mit einem strahlenden Sonnenschein.
Die zarten Strahlen weckten mich, aus meinem so tiefen Schlaf. Sie kitzelten meine Nasenspitze und reizten meine Augen so sehr, dass mir nichts anderes übrig blieb, als meine Augen zu öffnen. Ganz vorsichtig - erst das eine, dann das andere. Und ich blickte nun in den schönsten Sonnenaufgang aller Zeiten. Hm..., habe ich das gestern nicht schon einmal gesagt?
Ich glaube langsam, dass wahrhaftig jeder Tag einmalig ist und alles irgendwo seine Richtigkeit hat, ganz egal, wie es kommt. Ob gut oder schlecht - eine Erfahrung wird es für uns immer sein.
Und ich stelle soeben fest, dass eben jeder Tag etwas schönes in sich birgt und dass alles einmalig ist. Und kein Wunder, dass ich finde, dass es der schöne Sonnenaufgang überhaupt ist, denn er ist einmalig, da gibt es nur den einen, keiner ist wie der andere .... und jeder ist auf seine Art einmalig schön.
Wie ich so nachdachte plumpste ich auf ein altes Sofa. Ich sah, wie sich die Wolke entfernte.
Mit einmal war alles helle und warme Licht vorüber und Dunkelheit überkam mich. Es roch alt und nach Staub. Hilflos sah ich mich um. Wo in Gottes Namen war ich nun wieder gelandet.
Ich hörte das Geschrei einer Frau und dann das Weinen eines Kindes.
Danach übertönte die Stimme eines Mannes die beiden anderen Stimmen der 'Frauen' ... und ich hörte einen Knall und plötzlich war auch die Mutter am weinen.
Das Kind schrie "Lasst mich doch, so lasst mich doch bitte!" und weinte bitterlich.
Die Mutter sagte gar nichts, ich hörte bloß ihr leises schluchzen.
Ich lugte vorsichtig durch die Tür und sah einen kräftig gebauten Mann, der hinunter auf sein Kind und seine Frau sah, sein Gesicht war zorngefüllt und er stand da voller Macht und sah auf die beiden. Keiner wagte etwas zu sagen!!! Dann ging er weg.
Ich schlich zur Haustür und rannte erst mal ein wenig die Straße hinunter und setze mich auf eine Bank. Dann erst kam ich dazu und wollte fragen "Warum und wieso hier?!" ... und schon saß ein alter Mann neben mir. Ich habe ihn nicht kommen gehört, aber vielleicht war ich auch so in Gedanken, dass ich ihn nicht hörte.
"Was beschäftigt dich gerade an Gedanken?", sagte der Mann mit einer wahnsinnig lieben und ruhigen Stimme. Ich schwieg! "Deine Augen sprechen wahre Bände, worüber denkst du nach? Vorausgesetzt, ich darf dich dass fragen? Weißt du, junges Fräulein, manchmal ist es besser, über etwas zu reden, als allein damit fertig zu werden!"
"Nun ja, ich frage mich gerade, warum es soviel Krieg auf der Welt gibt und warum es soviel Wut gibt und Gewalt in machen Familien. Ich sehe darin keinen Sinn, möchte so gerne helfen, irgendetwas tun...was weiß ich. Ich komm mir so hilflos vor, einfach zuzusehen!"
"Gewiss wirst du nicht die Welt retten können, aber sicher doch wird dir möglich sein, manchen zu helfen, schaue einfach was kommt, lebe und lass auch spontane Dinge zu, lass dich nicht zu schnell von etwas abschrecken und verliere nie deine Meinung, niemand, aber auch niemand sollte sie dir nehmen können - sie ist dein, vergiss dass nicht!", der alte Mann strich mir über meinen Arm, lächelte, stand auf und ging davon.

Ich wollte mir etwas einfallen lassen, also ging ich ein wenig Spazieren und dachte nach. Am späten Abend kehrte ich zu dem Haus zurück, klopfte und wartete. Es dauerte eine Weile, bis man mir die Tür öffnete. Der kräftige und mir doch recht ungeheure Mann stand wieder vor mir und sah mich mit ernster Miene an. "Was willst du?", seine Stimme klang rau und laut.
"Ich..., ich...", stotterte ich, "bin auf der Durchreise und suche etwas, wo ich die Tage über ein wenig bleiben könnt. Der Mann schwieg und sagte dann streng "Du kannst hier wohnen und bekommst essen, aber nur unter der Bedingung, dass du die Tage, zusammen mit meiner Frau, die Wohnung sauber hältst!"
"In Ordnung!", stammelte ich und trat vorsichtig ein. An jenem Abend wurde ein kleines Zimmer, was zuvor eine Abstellkammer war, mein Zimmer. Eine alte, wirklich unbequeme Liege wurde aufgestellt und ich bekam nur eine einfache Decke zum zudecken.
Dennoch musste ich schon am Abend meine Kochkünste unter beweiß stellen und wurde auch gleich schon von dem Vater zurecht gewiesen, warum das so lange dauern würde.
Die beiden Kinder schwiegen und starrten mich bloß die ganze Zeit an. Die Frau sagte auch beinahe gar nichts. Es herrschte eine seltsame und angespannte Stimmung.
Nach dem Essen sollte ich spülen und anschießend das kleine Mädchen namens Tessy ins Bett bringen. Sie war 6 Jahre verriet mir die Mutter und der kleine Junge namens Ronny war
8 Jahre. Zusammen mit Tessy ging ich also hoch, sie leistete keinen Widerstand, sagte aber auch nichts. Erst als ich einige Zeit mit ihr allein im Zimmer war, wagte sie ein paar Worte zu sagen. Doch nach jedem zweiten Wort beinahe machte sie eine Pause. Zitterte und sprach dann zögernd weiter. Nachdem sie im Bett lag, suchte ich verzweifelt nach einem Buch. "Sag mal Tessy, hast du denn gar kein Buch, aus dem ich dir vorlesen kann?" Sie zog ein altes unter ihrer Matratze hervor und sagte zögernd, dass es uralt ist und ihr schon ewig niemand mehr etwas vorgelesen hatte. Ich war entsetzt und nahm mir vor, ihr einen Teil der Geschichte vorzulesen.
Über ihr Gesicht huschte ein kleines Lächeln.
Einige Minuten später kam ihr Vater rein und schimpfte rum, riss mir das Buch aus meiner Hand, schickte mich zu Ronny und kümmerte sich nicht darum, dass Tessy fürchterlich zu weinen anfing. Ich sträubte mich einen kurzen Moment, ging aber schließlich, nachdem er das Buch nach mir warf und dieses mich beinahe ganz unglücklich traf.
Tessy weinte und ich war geschockt und brachte unter den strengen Augen des Vaters Ronny zu Bett. Die Mutter stand traurig in der Küche, ihr Kopf war gesenkt und ihre Augen waren mit Tränen gefüllt. Als sie schließlich zu mir sah und dann anfing zu weinen und ich zu ihr ging, um sie zu trösten, wurde ich festgehalten und ihr Mann kam auf sie zu. Schützend schmiss sie ihre Hände über ihren Kopf und krümmte sich. Er schlug sie und beschimpfte sie als alte, hässliche Heulsuse, die zu nichts nütze sei.
Ich konnte diesen Zustand nicht zulassen, er tat mir bis in mein innerstes unendlich doll weh.
Dennoch ging ich schweigend zu Bett. Kurz vorm schlafen gehen, traf ich seine Frau noch einmal und sie flüsterte mir, dass sie das Wochenende über immer alleine zuhause sei.
Das Wochenende, ja, dass begann morgen. Ich lächelte und ging schließlich entgültig, für jenen Tag, ins Bett.

Am nächsten Morgen weckten mich zwei freundliche Augen. "Guten Morgen, meine Kleine. Er ist weg, du kannst aufstehen!" Müde schlug ich meine Bettdecke zurück und stand auf.
Mein erster Gang war der zu den Kindern, die beide schon wach in ihren Betten lagen.
"So ihr Süßen, wenn ihr wollt, könnt ich euch ja mit mir zusammen aufs Sofa setzen und ich lese euch nun endlich das Buch vor!" Beide Augen funkelten und wir trugen zusammen eine große Decke und brachten sie ins Wohnzimmer, wo ich anfing, aus dem Buch vorzulesen.
Iris, ihre Mutter saß in dem Sessel und lauschte auch der Geschichte, sagte aber auch nichts.
Nachdem ich das Buch beiseite legte und beide sich in ihr Zimmer zum anziehen gingen, hockte ich mich neben Iris und fragte sie vorsichtig, warum sie das mit sich machen lässt.
"Er trinkt", schluchzte sie, "er trinkt!" Ferner bekam ich heraus, dass sie sich sehr abhängig von ihm machte und sie u.a. auch Angst vor ihm hatte.
Ich wollte ihr helfen, soviel stand fest. Das Wochenende war sehr schön, wir unternahmen viel und so fassten auch die beiden Kleinen vertrauen zu mir und in Iris fand ich eine liebe Freundin, die zwar älter war, aber unheimlich lieb und sie hatte Weisgott nicht so einen Mann verdient - so behandelt zu werden, verdient wahrhaftig niemand.
Wir machten an den beiden Nachmittagen viele lange Spaziergänge und redeten sehr viel. Zu meinen Erstaunen, war sie relativ leicht davon zu überzeugen, dass sie Hilfe brauchte.
Sie sah es wohl ein, hatte aber einfach zu viel Angst, dies allein durchzustehen.
Ich versprach ihr zu helfen, wo ich nur konnte und gleich am Abend telefonierten wir herrum.
Es war ein ganz schönes hin und her, aber am Ende hatten wir es so weit, dass Iris zusammen mit ihren Kindern vorüber in ein Frauenhaus einziehen konnte - vorübergehend.
Und dann wurde weiter gesehen.
So entwickelte sich das alles die Tage später und Iris wurde durch diesen Schritt auch um einiges stärker und sich noch bewusster, was sie alles in ihrem Leben verpasst hatte.
Als ich ihr sagte, dass es für mich Zeit wäre weiter zu ziehen, fragte sie mich, ob wir in Kontakt bleiben könnten???
Ich versuchte ihr zu erklären, dass es nicht geht, weil ich weiter ziehen würde und dass für mich alles ein wenig kompliziert wäre. Es war wirklich schwer, ihr das begreiflich zu machen, aber ich versprach ihr, in Gedanken immer bei ihr zu sein und ihr in schweren Zeiten beizustehen.
Bevor ich ging, nahm sie mich noch einmal im Arm und sagte einen Spruch, den ich so schnell nie wieder vergessen werde:
"Der Himmel ist überall dort,
wo du einen Engel triffst!!!!!!"

...und im selben Moment, befand ich mich wieder auf meiner Wolke. Ein Engel saß neben mir und lächelte mich an. Ich sagte lange Zeit nichts und ließ mir die ganzen Tage noch einmal in Ruhe durch den Kopf gehen. Auch vermisste ich Iris ein wenig. Sie war echt eine ganz liebe Freundin von mir geworden.
"Was starrst du mich denn so an?", fragte ich irgendwann wütend den Engel.
"Na, ich überlege, welchen Wunsch du nun hast. Du solltest dir doch einen aussuchen - du ganz allein." Ich seufzte..."Ist gut, aber gebe mir bitte ein wenig Bedenkzeit!"
"Gewiss hast du Zeit, überlege es dir genau, was für dich wichtig wäre und lasse es mich wissen, wenn du für dich bereit bist, diesen Wunsch zu leben ... ach und noch etwas...,
vergiss nie, niemals, was du für dich in dieser Zeit gelernt hast, hörst du. Denk immer daran, dass du mehr kannst, wie du dir in manchen Momenten zutraust.
Er lächelte mit einer unendlichen Wärme und verschwand.
Ich war müde und schlief ein wenig.
Oh, ich schlief sehr lange..., erfuhr ich von dem Engel später. Nun gut, jedenfalls hatte ich nun einen Wunsch. "Ich wünsche mir", begann ich zögernd..., "dass ich die 'Liebe' kennen lernen werde!" Ein grinsen huschte über mein Gesicht...
Er lächelte mich wieder nur ganz liebenswürdig an, strich mir sanft über mein Haar, fuhr mit seiner Hand über meine Augen, sodass ich sie schließen musste - und für einen weiteren Moment, war es ganz ruhig.

Dann plötzlich ging mein Wecker. Ich war hellwach. War das ein Traum oder Realität? Egal was es war, es war mir verdammt klar, dass ich gerade sehr, sehr viel gelernt hatte.
Ruhig lag ich im Bett, nachdem der Schock meines Weckers verklungen war...
Draußen schien die Sonne und plötzlich stand eine gute Freundin von mir in meinem Zimmer und fragte mich, warum ich den mitten am Nachmittag schlafen würde.
Ich brauchte einige Zeit, bis ich meine Gedanken geordnet hatte.
„Ich glaub, ich bin eingeschlafen, weil es eben noch regnete!“
„Quatsch“, lachte meine Freundin, „der Regen hat schon lange wieder aufgehört. Dann hattest du aber einen festen Schlaf?!“, grinste sie weiter.
Ich stand auf und machte mich fertig um mit ihr und ihrem Hund ein wenig spazieren zu gehen.

Wir gingen sehr lange spazieren , ja, bis in den Sonnenuntergang hinein. Jeder meiner Schritte schien mich irgendwie, auf irgendeine Weise weiter zu bringen. Ich war sehr nachdenklich und schaute oft in den Himmel. Dachte an die lieben Engel und an die so weiche Wolke, die mir in irgendeiner Form immer Sicherheit gab.
Jetzt schien ich wieder auf mich allein gestellt.
An jenen Abend lag ich nachdenklich auf meinem Bett und sah, ehe ich irgendwann einschlief, auf das Bild mit den beiden Engeln an meiner Wand. Ich sagte an diesem Tag so gut wie gar nichts.
Mein Mund war geschlossen, nur meine Gedankten, die lebten!
Irgendwann spät Abends weckte mich meine Mutter.
„Telefon für dich. Ein Ronny ist daran!“... Ich stutzte, ich kannte keinen Ronny.
Zögernd nahm ich das Telefon entgegen. „Ja bitte?“, meldete ich mich müde.
„Hallo, ich bin’s Ronny, ich wollte mal hören, wie es dir geht?“
„Mir, mir geht es gut, danke. Hm.. und dir?“
„Mir auch, eigentlich! Nun ja, ich wollte dich fragen, ob wir nicht vielleicht mal zusammen was unternehmen wollen? Oder vielleicht einfach nur mal spazieren gehen wollen?“
„Ähm, ich kenne dich doch gar nicht, wer bist du?“
„Ich kenne dich so wirklich auch nicht, aber ich fand deine Nummer ganz plötzlich. Sie lag mir quasi beim aufräumen auf mal in meinen Händen und ich rief einfach mal an, weil mich innerlich irgendwie etwas mit ihr verband. Du hältst mich jetzt sicher für verrückt“, lachte er, „aber es ist wirklich so!“
„Nein ich glaube dir“, sagte ich zögernd, „denn mir geht es gerade seltsamerweise sehr ähnlich.“

Nun und so telefonierten wir sehr, sehr oft und unser philosophisches Spezialgebiet war die „Liebe“ –
„Was genau ist sie?“
„Was genau lässt uns so spüren, wie wenn wir verliebt sind?“
„Warum tut sie uns so gut?“
„Warum kann sie einem aber auch so weh tun?“
„Warum wollen sich manche Leute umbringen, wenn eine Beziehung auseinander geht?“
„Warum gibt es Leute, die ‚Liebe’ erzwingen wollen?“
„Warum ist unser ganzes Inneres plötzlich so weich, als würde man schweben?“
„Was ist sie – die Liebe?“

Rätselhaft ist sie – sie macht Leute sehr glücklich, aber andersrum macht sie genauso gut traurig,
wenn die Liebe aufhört zu bestehen. Wenn sich zwei Menschen nur noch verletzten, sich belügen und betrügen. Doch genauso gut schweben viele Menschen plötzlich auf *Wolke 7 *, werde ganz andere Menschen, geben sich anders, lachen mehr, haben eine neue Lebenseinstellung und scheinen ihren Leben einen ganz neuen Sinn zu verleihen. ...
So redeten, spekulierten und diskutierten wir oft stundenlang. Wir trafen uns auch öfters und setzen unsere Gespräche in einem Cafe fort, bei Spaziergängen oder nach nachdenklichen Kinobesuchen, in denen das Thema „Liebe“ wieder die Hauptrolle war.

Irgendwann erzählte mir Ronny etwas seltsames. Ja, es in einer lau warmen Nacht, in jener wir unter dem Sternenhimmel, an einen Baum gelehnt und in einer Decke gerollt ruhten und genossen, was es zu genießen gab. Wir redeten plötzlich über das Leben. Und er erzählte mir etwas ganz wundervolles und seltsames zugleich.
Er erzählte von damals, als sein Vater noch mit ihm zusammen lebte. Heute lebt er nur mit seiner kleinen Schwester und seiner Mutter zusammen. Ich fragte ihn zögernd, wie es denn dazu kam.
Und er erzählte mir eine Geschichte, die mir beinahe meinen Atem nahm.

„Lange, sehr lange Zeit wurden wir von unserem alkoholsüchtigen Vater geschlagen, eingesperrt und angeschrieben. Dass war eine ganz grausige Zeit, die ich wirklich hasste. Plötzlich ... so verrückt es wieder klingen mag, trat – wie meine Mutter dieses Mädchen nennt – ein Engel in unser Leben und verhalf uns zu einem Neustart unseres Lebens. Meine Mutter hat nun eine Beratungsstelle für „Betroffene von Alkoholkranken“ und hilft dieses Leuten, wie einst ihr geholfen wurde. Mein Vater hat irgendwann eine Entziehungskur gemacht und trinkt nun nicht mehr. Er hat sich aufrichtig bei uns alles entschuldigt. Eine Beziehung von meinen Eltern kam nie wieder zu Stande, aber dennoch sind wir nun alle in Freundschaft verblieben und wir treffen uns auch öfters mal zusammen und unternehmen etwas zusammen.“, seine Augen leuchteten und plötzlich umarmte er mich. Ich saß stumm da und hörte ihm zu und dachte an meinen Traum und daran, dass demnach ich dieser Engel sein müsste. Ich kam da wirklich nicht ganz mit, daher versuchte ich diesen Gedanken beiseite zu schieben und es als ‚geschehen’ zu sehen.
Dennoch war irgendwie fasziniert und gerührt, wie er es erzählte...
Lange Zeit hielten wir uns in jener zauberhaften Nacht in den Arm. Ich sah bloß einmal hinauf zum Himmel und musste in das Gesicht des Mondes hinein lächeln und flüsterte zaghaft ein „Danke!“ zum Himmel hinauf. „Was hast du gesagt?“, fragte mich Ronny und sah mich an.
„Ach nichts!“, sagte ich lächelnd, drückte ihm einen sanften Kuss auf die Stirn und ließ mich zurück ins Gras fallen. „So..“, Ronny stockte, „so hat das Engel-Mädchen mich auch immer geküsst, aber nur, wenn sie mich und meine Schwester zu Bett brachte. Ich lächelte.
„Ich weiß!“, flüsterte ich es so leise, dass es beinahe niemand hören konnte.
Seltsam bloß, dass Ronny nun älter war, als ich, aber ansonsten passte alles, wie ein Deckel auf dem Topf. Aber in einem Märchen ist so etwas eben möglich, dachte ich weiter und verblieb mit diesen Gedanken so dass es für mich persönlich auch okay so war.
Am nächsten Tag schenkte mir Ronny eines seiner Lieblingsbücher, wessen ich auch nur wieder zu gut kannte und dachte einen kurzen Moment an die Segeltour und an das Gespräch mit der Möwe.
Das Buch hatte die Aufschrift: „Warum Engel fliegen können“ ... ich nahm es und drückte es an mich und dann fiel ich auch Ronny um den Hals, der es glaube ich nicht wirklich verstand, aber dennoch zu meinem Glück nicht wirklich nach fragte, sondern sich nur freute, dass es mir gefiel.

Wie man es sich sicher bald denken kann, waren Ronny und ich nachher, laut der anderen, zusammen. Dabei waren wir beide uns sicher, dass uns irgendwie mehr verband, als nur das verliebt sein. Da war noch soviel mehr, was aber beinahe nicht zu erklären ist, sondern man es wirklich nur spüren kann und muss, um es für sich verstehen zu können.
Jeder hatte auch für sich ein Stück weit die eigene Persönlichkeit wieder erlangt.
Wir beide waren eins.
In unserem Herzen waren wir eins - unsere Seelen waren eins.
Ich sag ja, es ist nicht zu erklären, man kann so etwas nur spüren...
Man kann nur spüren, wie man lebt, wie man allein lebt, wie man zusammen lebt und wie man eins wird im Einklang mit Körper und Seele.

Irgendwann wusste ich, dass somit auch mein letzter Wunsch von den Engel auf eine ganze seltsame Weise wahr gemacht wurde.
Als Ronny und ich viele Jahre später zusammen mit unseren Kindern und unserem Hund zu jenem Platz zurück kehrte, wo unsere Gedanken von dem Thema Liebe abkamen und wir über das Leben führten, spürten wir beide ganz intensiv noch immer genau das gleiche, was wir in jenem Moment, vor einigen von Jahren auch gespürt hatten, nämlich das alles was gerade passiert und geschieht einzigartig ist.

Wieder war es eine lauwarme Sommernacht unsere beiden Kinder, ein Junge und ein Mädchen, spielten und sprangen durch die Dunkelheit und wir saßen an dem Baum gelehnt und durften uns noch einmal jung fühlen. Jung und frei!!!
Lächelnd nahm ich einen Stock und reihte eine Anzahl von Buchstaben hintereinander die nachher ein Wort und die Sätze einen Sinn ergaben. Ronny sah mich strahlend lächelnd an und malte ein Herz um meinen Spruch, nahm mich ganz fest im Arm und wir waren glücklich.
Beide schienen wir zu wissen, was früher passierte und was all dies mit den Engeln auf sich hatte, doch jeder schwieg darüber, jeder behielt es für sich und niemals redeten wir darüber. Doch in unseren innersten wussten wir genau, dass jeder von uns dieses Geheimnis in sich hatte und für immer bei sich trug.

Beide sahen wir auf das Herz was vor uns im Boden gemalt war und in den Spruch,
dessen Bedeutung wir beide kannten.

Und ehe wir uns versahen kam ein kräftiger Windstoß, wirbelte die Erde auf und trug die
Zeilen, mit samt den Herz hinauf in den Himmel, der dem Herz und seiner Bedeutung nun einen eigenen Stern verliehen. Er war ganz in unserem Stolz, denn er funkelte viel heller als die anderen Sterne. Und wenn man ganz genau in jenem Himmel sah, konnte man die Engel sehen,
wie sie voller Liebe und Freude zu uns hinab sahen.








Ende!!!!
Von mir! 1.November 04



Was du suchst
ist nicht auf den Gipfeln der Berge,
nicht in den Tiefen der Meere,
nicht in den Strassen der Städte:

Es ist in deinem Herzen.



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